Im Gespräch mit Dr. Marianne Krug:
Bioidentische Hormone neu gedacht

Ein Interview über Hormontherapie jenseits des Rezeptblocks.

von Andrea Strasser


Auf einen Blick

  • Ich war Teilnehmerin der ersten Ausbildungsrunde von Dr. Marianne Krug, einer der bekanntesten Stimmen zu bioidentischer Hormontherapie im deutschsprachigen Raum.

  • Zunächst ihre öffentlich vertretene Haltung zu bioidentischen Hormonen, danach unser persönliches Gespräch von 2020 im Original-Wortlaut.

  • Ihr Fachbuch und ihre Hormoncoach-Ausbildung (Akana Hormonakademie) finden Sie am Ende dieses Artikels verlinkt.

Ich war Teil der ersten Ausbildungsrunde von Dr. Marianne Krug. Ihre Arbeit zur bioidentischen Hormontherapie gehört zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum, und ihre Ausbildung hat meine eigene Arbeitsweise mit hormonellen Beschwerden bis heute geprägt.


Ihre Haltung zu bioidentischen Hormonen

Ihre Position vertritt Dr. Krug seit Jahren auch öffentlich, unter anderem im Podcast „KERNgesund“ des Thieme-Verlags. Ihr zentraler Punkt: Präparate wie die Antibabypille enthalten aus ihrer Sicht keine echten Hormone, sondern pharmazeutische Wirkstoffe, die sich im Körper anders verhalten. Natürliches Progesteron werde vom Körper innerhalb weniger Minuten wieder abgebaut, ein synthetisches Gestagen könne dagegen um ein Vielfaches länger an den Rezeptoren wirken mit entsprechend höherem Nebenwirkungspotenzial.


Auch zur Frage, wann eine Hormontherapie sinnvoll ist, hat sie eine klare Haltung: In den Wechseljahren sieht sie darin auch einen Beitrag zur Vorbeugung, bei jüngeren Frauen ohne Beschwerden rät sie eher ab. Ihre eigene Ausbildungstätigkeit begründet sie mit einer Lücke in der ärztlichen Ausbildung: „Da ist eine Systemlücke“, so Dr. Krug, Frauen fehle es an Ansprechpartnern für ihre hormonellen Fragen.


Quelle: Podcast „KERNgesund“, Folge 3 mit Dr. Marianne Krug, Thieme



Das Interview: mein persönliches Gespräch mit Dr. Krug (2020)

Das folgende Gespräch habe ich am 17.11.2020 persönlich mit Dr. Marianne Krug in Frankfurt geführt – im Wortlaut.




„Was würdest du tun, wenn ich dir 1h Zeit schenken würde?“

Ich würde die vielen interessanten Sachbücher lesen, die ich in meinen Schrank gestellt habe, um sie irgendwann einmal zu lesen …



„Marianne, du hast Medizin studiert, was hat dich an diesem Studium fasziniert? Warum wolltest du Arzt werden?“

Ich komme aus einer Arztfamilie, Vater, Großvater, Onkel – so eine ganze „Dynastie“. Deshalb waren mir medizinische Themen schon als Kind vertraut. Mit 4 Jahren stand deshalb mein Berufswunsch fest: Ich werde Ärztin! Ja, und das habe ich auch gemacht.



„Dein Weg hat dich von der klassischen Medizin weggeführt. Neben der Alternativmedizin sind die Hormone deine Leidenschaft geworden. Wie kam es dazu?“

Nach meinen ersten Schritten in der konventionellen Arztausbildung wurde ich zum Aussteiger. Ich ging für ein Jahr nach Südamerika, um dort in der medizinischen Versorgung zu helfen. Dieses Jahr war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Nicht nur auf medizinischem Gebiet.

Als Assistenzärztin war ich in einem recht großen Krankenhaus mit voller technischen Ausstattung und landete in einer „Posta medica“, einer Anlaufstelle für erste medizinische Versorgung in den nördlichen Anden Perus. Die Apparateausstattung dort war überschaubar: ein Blutdruckgerät und ein rostiges Skalpell. Um überhaupt helfen zu können habe ich mich in die Familienmedizin der Kräuterheilkunde Südamerikas eingelesen. Auch ein Buch über Akupunktur fiel mir in die Hände. Die war damals (1980) noch unbekannt.


So hat mich die tägliche Arbeit weit weg geführt von der Gerätemedizin hin zu allen möglichen Facetten der Alternativmedizin, und die blieb bis heute im Mittelpunkt meiner ärztlichen Tätigkeit. Zu den Hormonen kam ich über die Lektüre eines Buches von Dr. John Lee über Progesteron, das vergessene Hormon. Es wurden so viele wundersame Dinge über die Therapie mit dem bioidentischen Progesteron beschrieben, dass ich nur eines im Sinn hatte: „Dieses Progesteron muss unter die Leute gebracht werden.“ Und so begann die immer tiefer gehende leidenschaftliche Beschäftigung mit den Hormonen.



„Wir haben uns in der Ausbildung zum Hormoncoach, welche du aufgebaut hast, kennen gelernt. Sie ergänzt und bereichert meine homöopathische Behandlung enorm. Warum liegen dir die bioidentischen Hormone so am Herzen? Was ist der Gewinn für die Patienten?“

Die konventionelle Arbeit der Endokrinologie und der Gynäkologie im Bereich der steroidalen Hormone erschöpft sich in der Gabe von oralen Kontrazeptiva, für die immer mehr Indikationen gefunden werden, und in der Hormonersatztherapie mit synthetischen Stoffen, die in den Hormonkreislauf einwirken. In Laien- und Therapeutenkreisen besteht bis heute das Missverständnis, dass es sich bei den verabreichten Stoffen um Hormone handele. Dem ist ja nicht so. Große Teile der Fortbildungen in diesem Bereich ergehen sich in der Behandlung und Vorbeugung der Nebenwirkungen eben dieser Medikationen. Die Gestagene, allen künstlichen Stoffen voran, haben ein enormes Nebenwirkungspotential. Im Gegensatz dazu haben Moleküle, die der Körper selbst bildet, in dem Bereich, den der Körper dafür vorgesehen hat, keine Nebenwirkung, sondern das einzige Ziel: Wohlbefinden. Das ist der größte Gewinn für die Patienten, dass man mit Stoffen arbeiten kann, z. T. mit identischer Wirkung! die jede Zelle des Körpers kennt und die keine Nebenwirkungen im physiologischen Bereich haben.


Ein weiterer Gewinn für Patienten besteht darin, dass die Beschäftigung mit den hormonellen Abläufen deutlich zugenommen hat, da die Gefahr toxischer Schäden nicht besteht. Das heißt, dass heute eine Vielzahl von Menschen, meistens Frauen, in eine hormonelle Balance gebracht werden kann durch Zufuhr geringer Mengen der jeweils fehlenden Hormone, anstelle einer chemischen „Führung“ von außen. Viele Patientinnen beschreiben mir immer wieder, wie gut sich hormonelle Balance anfühlt, im Gegensatz zum Beispiel zur Unterdrückung durch jahrelange hormonelle Gleichschaltung durch die Pille.


Allein die weite Verbreitung der Kenntnis um hormonelle Abläufe gibt vielen Frauen Antworten auf Fragen, mit denen sie bisher rat- und erfolglos durch viele Arztpraxen und Heilpraktikerzentren gelaufen sind.



„Wie wäre die Antwort auf meine Einstiegsfrage, was du tun würdest, wenn ich dir eine Stunde Zeit schenken würde, wenn ich sie dir in zehn Jahren stellen würde. Was hast du noch vor?“

In zehn Jahren würde ich das Gespräch suchen mit den vielen interessanten Menschen, die ich kennenlernen durfte und mit denen ich mich schon immer mal (wieder) treffen wollte … Und wenn du mir statt einer Stunde einen ganzen Tag schenken würdest, dann könnte ich dafür sogar längere Anfahrten in meinem Wohnmobil einplanen.

Fazit

Dieses Gespräch zeigt, warum Dr. Marianne Krugs Perspektive auf Hormone meine eigene Arbeit bis heute prägt: nicht Unterdrückung von Symptomen durch chemische Medikation von außen, sondern Wiederherstellung von Balance mit Stoffen, die der Körper selbst kennt. Was mich dabei besonders beeindruckt: mit welcher Klarheit und welchem Wissen sie sich für das Wohlbefinden von Frauen einsetzt. Lange Zeit in der eigenen Praxis und jetzt mit großer Leidenschaft indem sie dieses Wissen an andere Therapeutinnen weitergibt. Ich durfte in ihrer Ausbildung von ihr lernen. Dafür ein großes Dankeschön liebe Marianne

Mehr zur Ausbildung von Dr. Marianne Krug: Hormoncoach-Ausbildung, Akana Hormonakademie

Außerdem möchte ich ihr wirklich lesenswertes Buch empfehlen: „Hormoncoaching erlernen & gezielt anwenden“ (Thieme Verlag)

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